Hebräische Sprache

Die hebräische Sprache (Hebräisch) ist die wichtigste semitische Sprache des kanaanäischen Sprachzweiges. Sie wird mit der hebräischen Schrift wiedergegeben. Nach seiner historischen Entwicklung wird das Hebräische in drei Sprachstufen unterteilt: Althebräisch, Mittelhebräsch und das im heutigen Israel gesprochene Neuhebräisch.
Inhaltsverzeichnis
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1 Was versteht man unter Hebräisch
2 Merkmale des Althebräischen
3 Geschichte
3.1 Das goldene Zeitalter3.2 Das silberne Zeitalter3.3 Der Talmud3.4 Die Vokalisation3.5 Masora
4 Erforschung der hebräischen Sprache
5 Literatur
6 Weblinks
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Was versteht man unter Hebräisch
Hebräisch ist zunächst die Sprache des jüdischen Volkes in der antiken Periode seiner Unabhängigkeit. Das alte Hebräisch ist hauptsächlich durch die Schriften der Torah (Altes Testament) überliefert. Die Bezeichnung hebräische Sprache (laschon iwrit) ist später entstanden und kommt in der Torah nicht vor. Stattdessen wird die Sprache in Jesaja 19,18 Sprache Kanaans genannt und in 2. Könige 18,26 judit = auf jüdisch, denn schon damals wurden die Namen Juden und Juda auf das ganze Volk ausgedehnt. Zur Zeit des Neuen Testamentes bezeichnete man die Sprache der damaligen Juden, die als Alltagssprache das Aramäische angenommen hatten, als Hebräisch. Man setzte Juden mit Hebräern gleich. Die Muttersprache der zentralen Figur des christlichen Glaubens Jesus von Nazareth war aramäisch. [ges].
Bis ins Mittelalter hinein galt Hebräisch, da die heiligen Texte in dieser Sprache verfasst waren, bei den Christen (und bei den Juden sowieso) als heilige Sprache. Man ging sogar soweit, sie spekulativ als göttliche Ursprache anzusehen, die von der babylonischen Sprachverwirrung nicht betroffen sei und deshalb noch göttliche Geheimnisse enthielte usw. Mit dem Motto der Reformation sola scriptura - allein die Schrift setzte bei den Christen ein wissenschaftliches Interesse an der hebräischen Sprache ein und man begann, von mythischen Deutungen Abstand zu nehmen. Durch die mit der Aufklärung einsetzende Bibelkritik ging die Verehrung des Hebräischen weitestgehend verloren [eco].
Einige Teile der hebräischen Texte der Torah gehören zu den ältesten Zeugnissen der Sprachgeschichte überhaupt, denn sie entstanden etwa zeitgleich mit dem Aufkommen der ersten rein phonographischen Alphabetschrift der Phönizier und wurden in dieser niedergeschrieben.
Mit den Jahrhunderten veränderte sich die hebräische Sprache, bis sie schließlich als Alltagssprache ausstarb. Sie lebte jedoch als Gelehrten- und Gottesdienstsprache fort und geriet als heilige Sprache der Juden nie in Vergessenheit. Das moderne Hebräisch (Ivrith) basiert auf diesen früheren Entwicklungsstufen.
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Merkmale des Althebräischen
Das Hebräische kennt nur ein maskulines und ein feminines Geschlecht, abstrakte Worte zeigen eine Tendenz, mit weiblichen Formen wiedergegeben zu werden.
Neben Plural und Singular kennt das Hebräische noch den Dual, der wie der Name verrät, für Zweifaches steht (Augen, Hände etc.).
Das Hebräische kennt keine Kasus-Flexion, es gibt keine Deklination zur Unterscheidung der Fälle. Besonders interessant ist die für den Genitiv verwendete Konstruktion, die Status Constructus-Verbindung. Während im Deutschen das Wort gebeugt wird, das im Genitiv steht (Haus des Königs) stellt das Hebräische das Wort, welches den Genitiv verlangt, in den Status Constructus (bait= Haus, beit melech, = Haus-vom König, susa = Stute, susat = Stute-des...). Das Gegenstück des Status Constructus ist die Normalform, der sogenannte Status Absolutus.
Zeitformen werden im Hebräischen weniger durch die Verben ausgedrückt. Will man etwas beschreiben, was in der Vergangenheit liegt, muss man es umschreiben (in früheren Tagen usw.). Verben unterscheiden nur die Aspekte vollendet oder unvollendet. Dafür drücken sie verschiedene Modifikationen aus, beispielsweise die Intensivierung (im Deutschen selten: stechen – sticheln). Zwischen Zustandsverben (leicht sein) und Aktionsverben (handeln, wachsen) wird unterschieden. Ansonsten kennt das hebräische Verb Formen für Passiv, Aktiv, Infinitiv etc. wie andere Sprachen auch.
Kennzeichnend für semitische Sprachen im Allgemeinen ist eine Tendenz zur Dreiradikalität und zur Wurzelflektion, d.h. die meisten Worte enthalten als Wurzel (lat. radix= Wurzel) drei Konsonanten. Die Häufigkeit dieser Formen war so groß, dass sie im Sprachgefühl den Eindruck der Richtigkeit machten. Dadurch entwickelten sich aus ursprünglich zweiradikalen Formen durch Verdopplung eines der Konsonanten dreiradikale Formen. Wie auch im Deutschen häufig hängt die Grundbedeutung eines Wortes hauptsächlich an den Konsonanten, während die Vokale die Bedeutung beugen (Vater, Väter, tat, tut, schlaf, schlief usw.) Die Wurzelflektion überwiegt im Hebräischen andere Formen der Beugung.
Das selbständige Personalpronomen dient der Hervorhebung (ich persönlich, du da). Im Unterschied zum Deutschen werden ansonsten die Personalpronomen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen, verschmolzen. Dies hat nicht nur orthographische Konsequenzen, da sich das 'Anhängen' auf die gesamte Wortform verändernd auswirkt. (vergleich: schamar = behüten, schamreni = behüte mich). Auch Artikel und Konjunktionen sind meist keine selbständigen Worte (iesch=Mann, haiesch=der Mann, ledawid= von Dawid etc.)
Ursprünglich kannten die alten semitischen Sprachen nur drei Vokale, i,a und u. Die übrigen entstanden sozusagen durch Verschleifung im natürlichen Sprachwandel. Dieser Umstand schlägt sich in der hebräischen Orthographie nieder: Drei Buchstaben werden neben ihrer konsonantischen Bedeutung auch als Zeichen für lange Vokale gebraucht (Alef für a; Waw für o und u, Jod für e,ä und i). Diese nennt man auch matris lectiones (Lesemütter). Die übrigen Vokale werden durch Punkte und Striche bezeichnet, die unter oder über den Konsonanten stehen (siehe Masoretische Vokalisation, Hebräische Schrift).
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Geschichte
Man unterscheidet drei Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.
Das alte Hebräisch ist mit nur wenigen Abweichungen die Sprache der kanaanitischen und phönizischen Stämme in Palästina. Es wurde von den Abrahamiden mit nach Ägypten genommen und später wieder mit zurückgebracht (dazu ausführlich siehe [ges]). Die Entstehung der biblischen Schriften, wie sie uns heute vorliegen, wird auf etwa 1000 v.u.Z. datiert. Der Annahme, dass die Bücher Mose, von ihm selbst geschrieben, weitere Tausend Jahre älter seien, muss vom wissenschaftlichen Standpunkt aus widersprochen werden. Dazu ist die Sprache der Bibel zu gleichförmig – keine Sprache kann über Tausend Jahre hinweg mit so wenig Veränderung bestehen (was nicht bedeuten muss, dass diese Schriften nicht echt sind, sie wurden eben nur nicht von Mose selbst in der uns vorliegenden Form geschrieben).
Es lassen sich in der Bibel sprachlich zwei Epochen unterscheiden: die Periode vor dem Exil (bis zum 6. Jhd. v.u.Z.) und die Periode nach dem Exil (bis ins 2. Jhd. v.u.Z.)
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Das goldene Zeitalter
Die vorexilischen Periode, das goldene Zeitalter genannt, umfasst den größeren Teil der Schriften. Trotz der Eigentümlichkeiten der verschiedenen Autoren gibt es sprachgeschichtlich keine bedeutenden Unterschiede. Die Sprache der dichterischen Bücher unterscheidet sich in diesem Rahmen aber deutlich von den prosaischen, nicht nur durch Rhythmus, sondern auch durch spezielle dichterische Wörter, Wortbedeutungen, Wortformen und Satzfügungen. Diese Formen sind wohl für Archaismen zu halten, die in der Dichtung beibehalten wurden.(Anm. des Verfassers: vielleicht auch dichterische Freiheit) [ges]
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Das silberne Zeitalter
Die nachexilische Periode, das silberne Zeitalter genannt, zeichnet sich aus durch eine Annäherung der hebräischen Schriftsprache an den nahe verwandten aramäischen Dialekt , der zur Alltagssprache wurde. Man kann sich das Verhältnis etwa denken, wie das Bairische zum Hochdeutschen, wobei ein Bayer sowohl Hochdeutsch versteht als auch schreiben kann. Sein Dialekt bleibt aber nicht ohne Einfluss auf die Schriftsprache. So veränderte sich auch das alte Hebräisch. Die Bücher Daniel und Esra enthalten schon vollständig aramäische Passagen. Unrichtig ist die auf einer falschen Auslegung von Nehemia 8,8 beruhende Aussage, die Juden hätten im Exil ihre Sprache verlernt.
Nach Einschätzung des großen Altphilologen Wilhelm Gesenius erreichten die nachexilischen Schriften insgesamt nicht mehr die alte Größe des goldenen Zeitalters, jedoch entstanden auch im silbernen Zeitalter "Productionen welche an Reinheit der Sprache und ästhetischem Werthe den Arbeiten des goldenen Zeitalters wenig nachgehen".
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Der Talmud
Etwa zeitgleich mit dem Aussterben der hebräischen Sprache stellten die Juden das alte Testament zusammen, begannen die Schriften zu erklären und in andere Sprachen zu übersetzten. Die Erklärungen, die man aus mündlichen Überlieferungen schöpfte, bezogen sich auf Zivil- und Ritualgesetze sowie auf dogmatische Themen. Das Hebräisch dieser Arbeiten hatte sich inzwischen weiter vom Althebräischen entfernt und kann als Mischung von Hebräisch und Aramäisch angesehen werden (Hebräisch und Aramäisch ähneln sich sehr stark und können auch als Dialekte betrachtet werden). Diese Sprachstufe nennt man Mittelhebräisch. Der erste Teil dieser Schriften heißt Mischna und wurde bis zum 3.Jhd. zusammengestellt, der zweite Teil, genannt Gemara, bis zum 6. Jhd. Beides ist im Talmud zusammengefasst.
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Die Vokalisation
Die Erinnerung an die korrekte Aussprache des bis dahin reinen Konsonantentextes verblasste mit den Jahrhunderten mehr und mehr. Deshalb sahen sich jüdische Gelehrte dazu veranlasst, Vokalisationssysteme zu entwickeln. Dies begann etwa im 6. bis 8. Jahrhundert, bis sich im 10. Jahrhundert ein System durchgesetzt hatte. Um die bestehenden Texte, die von Generation zu Generation durch peinlichst genaue Abschriften weitergegeben wurden, nicht verändern zu müssen, wurden die Vokale als Punkt- und Strichzeichen über und unter die Konsonanten gesetzt. Die Richtigkeit dieser Vokalisation ist stark angezweifelt worden. Dies geschah zum Teil aufgrund des antisemitischen Vorurteils, die Juden hätten die biblischen Schriften verfälscht. Von Sachkennern wird die Vokalisation jedoch als weitestgehend korrekt anerkannt. Sie stellt für diese Zeit eine enorme sprachwissenschaftliche Leistung dar (vergl. dazu ausführlich [ges]‚ Würdigung und Wert der masorethischen Vokalisation‘).
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Masora
Ebenfalls etwa in dieser Zeit begann man, verschiedene Lesarten, mögliche und offensichtliche Abschreibfehler und ähnliches zu dokumentieren. Da man sich aus Respekt vor der heiligen Schrift nicht getraute, den bestehenden Konsonantentext zu verändern, vermerkte man vermutete Fehler bzw. Korrekturen am Rand. Das Gesamtwerk dieser Arbeit heißt die Masora und bildet noch heute eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die Erforschung der alten Sprache. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia ist die Masora abgedruckt.
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Erforschung der hebräischen Sprache
Die Schriften der Torah enthalten einen Wortschatz von nicht einmal 8000 Worten. Dies stellt sicherlich nur einen Ausschnitt der damals gesprochenen Sprache dar. Außer den Aufzeichnungen selbst werden historische und linguistische Erkenntnisse zur Interpretation herangezogen. Von einigen Worten fehlt die sichere Kenntnis der ursprünglichen Bedeutung. Dies sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Hebräisch zu den besterforschten Sprachen des Altertums gehört.
Wichtige Rückschlüsse lassen sich schon aus den ersten Übersetzungen der Torah in andere Sprachen des Altertums gewinnen. Auch frühe Kommentare und Bezugnahmen in außerbiblischer Literatur leisten oft wertvolle Dienste.
Etwa im 10. Jahrhundert begannen jüdische Grammatiker nach dem Vorbild arabischer Gelehrter die hebräische Sprache zu untersuchen und zu beschreiben. Aus ihren in arabischer Sprache verfassten Werken stammen einige heute noch gebräuchliche methodische Einrichtungen und Ausdrücke.
Bei den Christen erwachte das Interesse am Studium der hebräischen Sprache erst Anfang des 16. Jahrhunderts (von einigen Ausnahmen abgesehen). Teilweise galt bis dahin die hebräische Sprachkunde sogar als ketzerisch. Zu den bedeutenden Grammatikern der Neuzeit gehört Johannes Reuchlin (1454-1511). Schon zu Luthers Zeit war die Kenntnis des Hebräischen unter Protestanten nicht mehr selten. (Luther empfahl ihr Studium dem Kurfürsten von Sachsen.)
Siehe auch: Kategorie:Hebräisch
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Literatur
Metzler Lexikon Sprache, 1993
[ges] Wilhelm Gesenius, Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift, Olms 1973
[eco] Umberto Eco, Die Suche nach der vollkommenen Sprache, dtv 1993 (zu diesem anstrengenden Buch benötigst du ein Fremdwörterbuch, dafür sehr interessant)
Hans Peter Stähli, Hebräische Kurzgrammatik (pädagogisch gut gemacht, sehr plausibel)
Wilhelm Gesenius, Hebräische Grammatik, 10. Aufl. 1831 (immer noch unschlagbar tiefschürfend)
Gesenius/Kautsch/Bergsträsser, Hebräische Grammatik, Olms 1995 (die beste und teuerste)
Jutta Körner, Hebräische Studiengrammatik, Langenscheid 1996 (ausführlich)
Ernst Jenni, Lehrbuch der hebräischen Sprache des alten Testamentes, 1981 (Schulbuch für Gymnasien konzipiert)
Thomas O. Lambdin, Lehrbuch Bibel-Hebräisch 1999 (aus dem Amerikanischen)
Rudolf Meyer: Hebräische Grammatik, Berlin 1992
Wilhelm Gesenius: Hebräisches Handwörterbuch, Berlin 1962
Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch I, Studiengrammatik, Münster 1997
Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch II, Studienbuch für das Gruppen- und Selbststudium, Münster 1997
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Weblinks

Auf Wikibooks gibt es mehr zu Hebräische Sprache.
http://www.alanwood.net/unicode/hebrew.html (englisch)
http://www.nirdagan.com/hebrew/ (englisch)
http://www.hebraicum.de/
http://www.faithofgod.net/davar/ DAVAR - hebrew dictionary (freeware,englisch)

For more information visit http://de.wikipedia.org/wiki/Hebr%C3%A4ische_Sprache
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