Plansprache

Als Plansprachen bezeichnet man erfundene bewusst geschaffene Sprachen, die sich also nicht entwickelt haben. Man betrachtet sie meist als Untergruppe der künstlichen Sprachen. Sie sollen entweder als „Welthilfssprachen“ eine Verständigung zwischen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen ermöglichen oder als logische Basis zur Erforschung und Entwicklung neuer Sprachen dienen. Das bekannteste Beispiel ist Esperanto. Weitere Plansprachen sind z.B. Ido, Interlingua, Interlingue (früher: Occidental), und Volapük, sowie die nicht zur einfachen Verständigung geschaffenen logischen Sprachen wie z.B. Loglan, Lojban und Teran. Plansprachen bilden in ihren Aspekten die Forschungsgegenstände der Interlinguistik.
Neben gesprochenen bzw. geschriebenen Welthilfssprachen gibt es auch zwei Gebärden-Hilfssprachen, nämlich Gestuno, das gewisse Erfolge hatte und Signuno.
Inhaltsverzeichnis
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1 Kontroverse über die Basis einer Welthilfssprache
2 Geschichte
2.1 Antike2.2 19. Jahrhundert2.3 20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg2.4 Seit dem Zweiten Weltkrieg
3 Neue Herausforderungen
4 Liste der Plansprachen
5 Siehe auch
6 Weblinks
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Kontroverse über die Basis einer Welthilfssprache
Schon früh entstand in der Weltsprachenbewegung eine Kontroverse zwischen Anhängern einer weniger stark an natürliche Sprachen angelehnte Plansprache wie etwa Volapük oder Esperanto und Anhängern einer Plansprache auf der Grundlage der romanischen Sprachen bzw. des Lateins um eine „natürlichere“ Welthilfssprache zu entwickeln. Drei dieser „romanischen“ Plansprachen erlangten eine gewisse Bedeutung: Interlingua, Occidental und „Latino sine flexione“. Diese drei Sprachen ähneln sich sehr und sind auch gegenseitig einigermaßen gut verständlich. Sie ähneln allerdings vielen Dialekten, denen eine straffe Normierung fehlt, was ihre Brauchbarkeit einschränkt. Darüber hinaus sind sie für Sprecher nicht-romanischer Sprachen wesentlich schwerer zu erlernen als Esperanto, da ihre Struktur stark europäisch-romanischen Mustern folgt. Esperanto hat ebenfalls eine weitestgehend auf romanischen Wurzeln bestehenden Wortschatz, ist aber von seiner Struktur eher mit den so genannten agglutinierenden Sprachen zu vergleichen, die im allgemeinen mit geringerem Aufwand breitere Ausdrucksmöglichkeiten bieten.
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Geschichte
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Antike
Schon aus der griechischen Geschichte bekannt sind die ersten Versuche Welthilfssprachen zu schaffen, die dazu gedacht sind die Verständigung zwischen verschiedenen Sprachen zu erleichtern.
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19. Jahrhundert
Nach Solresol 1817 bzw. 1856 (die Sprache der Kinder im Spielberg's Film "Begegnung der 3. Art", 1977) war Volapük die zweite Plansprache überhaupt, die nennenswerte Verbreitung gefunden hat. Volapük wurde 1879/80 vom badischen Prälaten Johann Martin Schleyer geschaffen. Anfangs sehr erfolgreich, brach die Bewegung jedoch schnell wieder zusammen, da die Sprache doch relativ schwer zu erlernen war. Darüber hinaus betrachtete Schleyer Volapük als sein geistiges Eigentum, über das nur er zu verfügen hatte. Mit dem Erscheinen von Esperanto 1887, das wesentlich leichter zu erlernen ist, war Volapük praktisch gescheitert und viele der früheren Volapük-Anhänger wendeten sich Esperanto zu.
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20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg
1907 erschien dann Ido, eine Sprache die auf Esperanto aufbaute, jedoch einige Verbesserungen einführen wollte. Da aber Ido in immer kürzerer Zeit neue Verbesserungsvorschläge heraus gab, entstand ein Chaos, so dass schließlich auch Ido immer mehr Anhänger verlor, die sich teilweise wieder der Esperanto-Bewegung anschlossen. Mit dem ersten Esperanto-Weltkongress 1905 begann eine erstaunliche Erfolgsgeschichte, die innerhalb dreier Jahrzehnte eine große Zahl an Sprechern, Originalliteratur, wissenschaftlichen Werken etc. hervorbrachte. Mit dem Aufstieg Hitlers, Stalins sowie anderer totalitärer Regime begann eine Zeit, in der alle Anhänger von internationaler Verständigung zwischen einfachen Menschen als Staatsfeinde betrachtet wurden und so landeten vor allem viele Esperantisten als Anhänger der verbreitetsten Plansprache in KZs oder in sowjetische Straflagern (GULAG). Dadurch wurde Esperanto entscheidend geschwächt, da viele Aktivisten ermordet oder seelisch zerstört wurden. Die Esperanto-Vereine in fast ganz Europa waren zwangsaufgelöst oder zerstört und viele Menschen hatten nach dem Krieg andere Sorgen als den Wiederaufbau der Esperanto-Bewegung, die deshalb in einen „Dornröschenschlaf“ verfiel.
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Seit dem Zweiten Weltkrieg
Mit dem Ausbruch des Kalten Krieges nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die jeweiligen Siegermächte ihre Nationalsprache jeweils zur internationalen Weltsprache zu machen. Französisch verlor nach dem Verlust seiner Kolonien in den 1960er Jahren und der Erweiterung der EU jedoch immer schneller an Bedeutung, Russisch verschwand nach den Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums fast augenblicklich als internationale Welthilfssprache. Die englischsprachige Welt hatte nach den Sieg im Zweiten Weltkrieg wenig Interesse, eine mit dem Englischen konkurrierende Welthilfssprache aufzubauen (einzige Ausnahme ist „Basic English“ bzw. sein Nachfolger „Simple English“) und konzentriert seitdem all ihre Kräfte auf die endgültige Etablierung des Englischen als einzige alle anderen Sprachen dominierende Weltsprache.
Als Ende der 1970er Jahre der Sieg des Englischen immer deutlicher wurde, waren fast alle Versuche eine andere Sprache als allgemeine Weltsprache zu etablieren gescheitert; nur die Esperanto-Bewegung verfügte noch über eine Vielzahl von zum Teil glühenden Anhängern. Deshalb entstand eine neue Richtung der Esperanto-Bewegung, die sich nicht mehr zum Ziel setzte, Esperanto statt Englisch zur Weltsprache zu machen, sondern ihre eigene gewachsene pazifistische-völkerverständigende Kultur zu pflegen. Diese neue Esperanto-Kultur hat dann auch bis heute nicht nur überlebt, sondern ist zwar langsam aber stetig gewachsen und dabei auch vielfältiger geworden.
Erst seit mit dem Beginn des Kampfes gegen den Terror und insbesondere dem Irak-Krieg der Unmut über die Dominanz des Englischen in weiten Teilen der Welt wächst, ist das Interesse an einer neutralen Sprache wiedererwacht. Einzig „überlebende“ Konkurrenten sind heute Esperanto und Interlingua, das seine beiden Latein-basierten Schwestersprachen (Latine sine flexione und Occidental) beinahe aufgesogen hat. Dabei ist Interlingua vor allem eine in wissenschaftliche Publikationen zur Verfassung von Resumées („Abstracts“) gebrauchte Sprache, die kaum je gesprochen wird. Esperanto dagegen ist eine auf einer vergleichsweise vielschichtige Bewegung „von unten“ ruhende, oft auch auf Kongressen für jedermann gesprochene Sprache, die mittlerweile jene oben skizzierte, eigene „Esperanto-Kultur“ entwickelt hat.
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Neue Herausforderungen
Mit der Erweiterung der EU wird das Sprachproblem innerhalb der Gemeinschaft immer drängender. Statt elf hat die EU seit den 1. Mai 2004 zwanzig Amtssprachen. Nach einer Anfangsphase in der Französisch in der damaligen EWG eindeutig dominierte, zeichnet sich heute ein völliger Sieg des Englischen in der EU ab. So wurden in den letzten Jahren hunderte Stellen in der EU nur für englische Muttersprachler ausgeschrieben, wogegen die Universala Esperanto-Asocio („Allgemeine Esperanto-Vereinigung“) am europäischen Gerichtshof klagte. In Zukunft wird die Frage sein, ob alle Europäer die Dominanz des Englischen akzeptieren und Englisch de facto zur EU-Amtssprache wird oder ob es eine Renaissance einer neutralen, einfacher zu erlernenden Sprache geben wird, die keine Sprachgemeinschaft der EU bevorzugt.
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Liste der Plansprachen
Die bekanntesten der ca. 1000 Plansprachen sind:
Arcaicam Esperantom
Arioni-Boera
Babm
Balta
Basic English
Bendeh
Bolak
Bopal
Ceqli
Cosmolingue
Deudesc
Esperanto
Folkspraak
Frater
Gestuno (Gebärdensprache)
Hoyhoy
Iala
Idiom Neutral
Ido
Interglossa
Interlingua
Interlingue (Occidental)
Iret
Kod
Kosmos
Langue Bleue
Langue Catholique
Latinesce
Latino sine flexione
Lingua
Lingua International
Loga
Mondial
Molog
Neolatinus
Novial
Panamane
Pasilingua
Progresso
Ro
Romanal
Romanica
Romanid
Signuno (Gebärdensprache)
Slovio
Solresol
Spelin
Suma
Timerio
Toki Pona
Volapük
Weltparl
Wenedyk
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Siehe auch
Universalsprache
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Weblinks
Eine große Liste von künstlichen Sprachen (http://www.langmaker.com/db/mdl_index_languagetype.htm#stealthlanguage) (engl.)
Von "http://de.wikipedia.org/wiki/Plansprache"
Einordnung: Sprache Plansprache

For more information visit http://de.wikipedia.org/wiki/Plansprache
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