Kabbala

Die Kabbala ist die mystische Tradition im Judentum.
Die Bezeichnung Kabbala (hebr. קבלה) geht auf den hebräischen Wortstamm "q-b-l" zurück und bedeutet "Überlieferung, Übernahme, Weiterleitung". Die Wurzeln der Kabbala finden sich in der Tora, der Heiligen Schrift des Judentums. In jahrhundertelanger mündlicher Weitergabe wurden daneben verschiedene weitere Einflüsse aufgenommen, darunter gnostische, neuplatonische und christliche Elemente.
Inhaltsverzeichnis
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1 Beschreibung
2 Geschichte
3 Heute
4 Literatur
5 Weblinks
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Beschreibung
Wie jede Mystik entzieht sich auch die Kabbala dem Versuch einer eindeutigen wissenschaftlichen Klassifizierung. Vielmehr gilt sie als Geheimlehre, die weniger gelernt, als vielmehr erfahren werden will. Diese Erfahrung vermittelt sich in einer zuerst mündlichen, dann auch schriftlichen Überlieferungsgeschichte. Deshalb wird in der Kabbala die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler als wesentlich herausgestellt. Im intensiven Verhältnis zu seinem Lehrer wird der Schüler in diese Tradition gestellt und erfährt so das Wesentliche von Mensch und Welt. Immer geht es der Kabbala dabei um die direkte Beziehung des Menschen zu Gott und die Bildung der eigenen Seele.
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Geschichte
Die ersten Träger kabbalistischer Tradition stammen aus dem rabbinischen Judentum, insbesondere aus dem Schülerkreis des Rabbi Jochanan ben Sakkai und des Rabbi Akiba ben Josef in Palästina. Die beherrschenden Themen waren dabei Spekulationen über die biblische Schöpfungserzählung und die Visionen des Propheten Ezechiel vom göttlichen Thronwagen. Danach wird diese Strömung auch als Merkaba-Mystik bezeichnet (Merkaba = hebr. "der Wagen").
Erst später erschienen dann auch schriftliche Dokumente. Als wesentliches Zeugnis aus dem 1. Jahrtausend u. Z. gilt das Buch Jezira, das zwischen dem 3. und dem 6. Jhdt. u. Z. entstand. Es enthält die Darstellung der 10 Sefirot und der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets als den Urzahlen und Verhältnissen, auf denen die Welt beruht. Diese kommen in der Darstellung des kabbalistischen Weltenbaumes zum Ausdruck.
Im hohen Mittelalter waren die Zentren kabbalistischer Bewegungen der deutsche Chassidismus im Rheinland (Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jhdts. u. Z.) und vor allem die so genannte "prophetische Kabbala" in Spanien, deren bedeutendster Vertreter Abulafia war. Aus der Tradition des spanischen Judentums entstand gegen Ende des 13. Jhdts. u. Z. die bedeutendste kabbalistische Schrift überhaupt: der Sohar (Sefer ha Sohar, hebr. "Das Buch des Glanzes"). Als sein Autor gilt der spanische Kabbalist Mosche de Leon († 1305), jedoch ist damit zu rechnen, dass fremdes und älteres Material in das Werk aufgenommen worden ist.
Der Sohar enthält in verschiedenen, teils sehr umfangreichen Abhandlungen Auslegungen der Tora, Erzählungen zu mystischen Gestalten des Judentums, insbesondere zu Rabbi Schimon ben Jochai und seinen Schülern, sowie Spekulationen zu Zahlen und Buchstaben als den Fundamenten der Welt. Der Sohar gilt wohl neben dem Tanach, der jüdischen heiligen Schrift, und dem Talmud als wichtigste Einzelschrift des Judentums.
Nach der Verfolgung und Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 wurde das Örtchen Safed in Galiläa zum Zentrum kabbalistischer Lehre. Hier wirkte vor allem Isaak Luria (1534-1572), der wesentliche Beiträge zur Auffassung von der Schöpfung der Welt entwickelte. Dazu gehören Vorstellungen von einem "Sich-Zurückziehen" Gottes, um der entstehenden Welt Platz zu schaffen (Zimzum), dem "Zerbrechen der Gefäße" bei der Schöpfung und dem Freiwerden der göttlichen Lichtfunken (Schebirath ha Kelim), Spekulationen über das Unendliche (En Sof) und eine Lehre über die Seelenwanderung (Gilgul). Ziel aller Bemühungen des Menschen ist es, in einem Prozess der Vervollkommnung (Tikkun) den ursprünglichen heilen Zustand der Welt aus göttlicher Existenz wieder herzustellen.
Diese Lehren werden in sehr ausführlichen Beschreibungen und äußerst detaillierten, höchst komplizierten Bildern dargelegt. Die lurianische Kabbala versteht sich dabei als eine Wissenschaft von Gott, Welt und Mensch als mystische Deutung eines menschlichen Exils und seiner Erlösung in kosmologischem Horizont.
Die in Safed entstandene Kabbala des Isaak Luria hat im Judentum erheblichen Einfluss gewonnen. Viele Elemente dieser Lehre wurden auch im Chassidismus des 17. und 18. Jhdts. in Polen wirksam. Unter behutsamer Einbeziehung messianischer Elemente und einer gewissen Vereinfachung des ursprünglich sehr differenzierten Lehrgebäudes konnte die Kabbala große populäre Bedeutung in den chassidischen Zentren des Ostjudentums entfalten.
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Heute
Kabbalistische Lehren und Motive finden seit Anfang des 20. Jahrhunderts wachsende Aufmerksamkeit auch außerhalb des Judentums. Zunächst nur von Religionswissenschaftlern und okkulten Kreisen wie der Theosophie beachtet, dehnte sich die Bekanntheit der Kabbala vor allem dank der Verbreitung von New Age und moderner Esoterik weiter aus. Sogar amerikanische Pop-Stars und Sternchen, wie Madonna, propagieren kabbalistisch-esoterische Botschaften (siehe Kabbalah Centre). Für Kawwana - Kirche des Neuen Aeons ist die Kabbala - in ihrer lurianischen Richtung - eine wesentliche Quelle. Von heutigen jüdischen Kabbalisten wird diese Pop-Kabbala als gröbliche Verfälschung kritisiert.
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Literatur
Heinrich Elias Benedikt, Die Kabbala als jüdisch-christlicher Einweihungsweg. ISBN 3-762-60756-7
Gershom Scholem, Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Frankfurt 1980, ISBN 3-518-07930-1
Gershom Scholem, Zur Kabbala und ihrer Symbolik. Frankfurt 1973, ISBN 3-518-27613-1
Will Parfitt, Die Kabbala. ISBN 3-591-08339-9 (Einführung in die praktische Kabbala)
Papus (Gerard Encausse), Die Kabbala. ISBN 3-921-69543-0 (Studie aus Sicht eines Universitätsprofessors)
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Weblinks
http://www.kabbalaonline.org/
http://kabbalah-web.de/
http://www.kabbalah.info/
http://www.hagalil.com/judentum/kabbala/kabbala.htm

For more information visit http://de.wikipedia.org/wiki/Kabbalah

1 comment:

André said...

auch interessant zum Thema:

www.kabbalablog.de
www.ari-bildung.de